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Heute möchte ich mit euch ein Thema vertiefen, das uns alle angeht: die Wechselwirkung zwischen Antibiotika, unserem Mikrobiom und die Rolle von Probiotika dabei. Diese Folge basiert auf einem sehr inspirierenden Vortrag von Frau Prof. Dr. Vanessa Stadlbauer-Köllner aus Graz, den ich auf den Deutschen Mikrobiomtagen im Februar 2024 hören durfte.

Ehe wir uns mit den Antibiotika beschäftigen, noch ein Blick auf die Wirkung von Medikamenten allgemein in unserem Körper. Es wird Dich nicht verwundern, dass alles was wir in uns aufnehmen eine Wirkung oder auch Nebenwirkung, wenn man es so ausdrücken möchte, in uns verursacht. So können Medikamente auch massgeblich unser Mikrobiom beeinflussen…auch das Darmmikrobiom. Ein Medikament kann Mikroorganismen dabei im Wachstum behindern. Manche Medikamente nutzen Mikroorganismen aber auch geradezu aus, so dass Mikroorganismen das Arzneimittel erst verstoffwechseln und somit aktivieren oder später inaktivieren. Nichts passiert im Körper ohne Wirkung.

Was sind Antibiotika?

Nehmen wir uns aus den Medikemanten nun aber einmal die Gruppe der Bakterientöter…also die Antibiotika raus. Antibiotika sind Medikamente, die zur Behandlung von bakteriellen Infektionen eingesetzt werden. Antibiotika gibt es seit den 1920er Jahren. Die Entdeckung des ersten echten Antibiotikums wird allgemein Alexander Fleming im Jahr 1928 zugeschrieben, als er zufällig die antibakteriellen Eigenschaften von Penicillium-Notatum-Schimmelpilzen entdeckte, was zur Entwicklung von Penicillin führte. Dieses Antibiotikum wurde jedoch erst in den frühen 1940er Jahren für die breite medizinische Anwendung verfügbar, insbesondere während des Zweiten Weltkriegs, wo es zahlreiche Leben rettete.

Die Entdeckung von Penicillin markierte damit den Beginn des Antibiotika-Zeitalters und löste eine Revolution in der medizinischen Behandlung aus, die es ermöglichte, viele zuvor tödliche bakterielle Infektionen zu heilen oder zu verhindern. In den folgenden Jahrzehnten wurden zahlreiche weitere Antibiotika entwickelt, die gegen eine breite Palette von Bakterienarten wirksam sind. Wenn Du einen Schnupfen oder Kratzen im Hals hast, ist das meist aber eine virale Infektion – also durch Viren ausgelöst – …dagegen helfen Antibiotika nicht. Breiten sich auf diese meist viral beginnende Infektion jedoch Bakterien aus, entstehen Infektionen oder Superinfektionen, die antibakteriell – also mit Antibiotika – behandelt werden müssen. Antibiotika können so tatsächlich Leben retten, indem sie krankheitserregende Bakterien abtöten oder deren Wachstum hemmen. Jedoch ist ihre Wirkung nie sehr selektiv; das heißt sie töten nicht nur die schädlichen Bakterien, sondern auch die nützlichen Mikroorganismen in unserem Darm. Daher sind wir nach dem Antibiotikazeitalter mittlerweile mittendrin im Probiotikazeitalter.

Die Bedeutung des Mikrobioms

Wie Du weißt spielt Dein Mikrobiom, also die Gemeinschaft der Mikroorganismen in Deinem Körper, eine entscheidende Rolle für Deine Gesundheit. Dein Darmmikrobiom hilft nicht nur bei der Verdauung, sondern produziert auch lebenswichtige Vitamine, trainiert Dein Immunsystem, macht Dir gute Laune über Kommunikation zu Deinem Gehirn und schützt Dich auch vor krankheitserregenden Keimen. Eine gesunde Diversität und Balance in diesem Ökosystem sind daher essentiell. Gesunde Diversität bedeutet, dass möglichst viele verschiedene der guten Bakterienstämme vorhanden sind, denn sie haben alle die unterschiedlichsten Aufgaben, die sie für Dich ganz im Stillen verrichten.

Der Einfluss von Antibiotika auf das Mikrobiom

Der Einsatz von Antibiotika kann somit einiges in Deinem Körper anrichten…natürlich zum einen helfen Deine Infektion zu besiegen. Häufig führen Antibiotika jedoch zu einer Dysbiose, also einem Ungleichgewicht in Deinem Mikrobiom. Dies äußert sich in einer sehr reduzierten Vielfalt und Anzahl der Mikroorganismen, was Deinen Körper schlussendlich schwächt. Krankmachende Keime können sich dann leichter ansiedeln und wieder zu Infektionen führen…tatsächlich ein Teufelskreis.

Eine Studie von Professor Sascha Sarmakova aus Groningen hat dies unterstrichen. Im Rahmen einer großen Kohortenstudie in den Niederlanden wurden Stuhlproben gesammelt und analysiert und ein direkter Zusammenhang zwischen Medikamenteneinnahme und Veränderungen im Mikrobiom festgestellt. Besonders betroffen waren da tatsächlich Probanden, die sogenannte Protonenpumpeninhibitoren abgekürzt PPIs – das sind Medikamente wie Omeprazol und Pantoprazol, die die Säure im Magen reduzieren – und auch die, die Antibiotika eingenommen hatten. Dass diese PPIs anzahlmäßig noch schlimmer abschnitten in ihrem schlechten Einfluss auf das Mikrobiom, als Antibiotika liegt in solchen Studien auch daran, dass die Einnahme dieser Säureblocker mittlerweile so extrem weit verbreitet ist und wahnsinnig viele Menschen diese PPIs zur langfristigen Einnahme verordnet bekommen. Antibiotika werden dagegen häufig nur in Ausnahmefällen genommen.

Antibiotika haben direkten Einfluss auf das Mikrobiom, in dem sie sehr breit wirkend auch gute Keime regelrecht abtöten und so Deinen Artenreichtum reduzieren.

Säureblocker kommen da ein wenig durchs Hintertürchen. Sie reduzieren langfristig Deine Säurebildung im Magen. Ein Nachteil davon ist, die fehlende abtötende Wirkung der Magensäure von schlechten Keimen, die wir in uns aufnehmen und so im weiteren Verlauf Deiner Verdauungsröhre Einfluss auf die Zusammensetzung Deines Mikrobioms nehmen.

Eine weitere bedeutsame Studie wurde an der Universität Heidelberg durchgeführt. Hier wurden über 1.000 chemische Substanzen untersucht und festgestellt, dass viele gängige Medikamente das Wachstum wichtiger Darmbakterien hemmen können. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, das Mikrobiom bei der Einnahme von Medikamenten – also nicht nur bei Antibiotika – zu schützen.

Oft vergessen werden allerdings auch bei sehr kurzfristigen Antibiotikaeinnahmen die recht langen Nachwirkungen und deren Einfluss auf das Darmmikrobiom. Diese entstandene Dysbiose kann laut Frau Prof. Dr. Vanessa Stadlbauer-Köllner auch noch bis 2 Monate nach der antibiotischen Therapie auftreten. Na klar…2 Monate nach der Antibiotikatherapie auftretende Durchfälle werden meistens nicht mehr mit der Antibiotikaeinnahme in Verbindung gebracht. Hast Du also solche Magen-Darm-Probleme, denke immer auch noch 2 Monate zurück, was Du da so einnehmen musstest. Besonders betroffen, Antibiotika-assoziierte-Durchfälle zu entwickeln, sind dabei natürlich immer besondere Risikogruppen…Kinder, mit noch nicht gut ausgebildetem Mikrobiom und auch ältere Menschen oder Immunschwache. Hier hat man Angst, dass sich ein Problemkeim mit dem namens Clostridium difficile breit macht, der massive Durchfälle verursacht.

Probiotika können hier helfen.

Probiotika sind lebende Mikroorganismen, die, wenn sie in angemessenen Mengen eingenommen werden, Gesundheitsvorteile bieten. Sie können helfen, die durch Antibiotika verursachte Dysbiose zu mindern, indem sie den Artenreichtum und die Funktion des Mikrobioms unterstützen.

Ein kleiner Blick auf wissenschaftlichen Belege dazu: Die Meta-Analyse von Goldenberg et al. aus dem Jahr 2017 zeigte, dass die Einnahme von Probiotika während einer Antibiotikabehandlung das Risiko für antibiotikaassoziierte Diarrhö um bis zu 60% reduzieren kann. Interessant ist hier, dass der Beginn der Probiotikaeinnahme entscheidend ist – innerhalb der ersten 48 Stunden ist die Wirkung am effektivsten.

Eine Studie aus UK hat mit der Probiotikumgabe erst nach 5 bis 7 Tagen nach der Antibiotikaeinnahme begonnen und keine Besserung feststellen können.

Basierend auf diesen Erkenntnissen gibt es die Empfehlung, bei jeder Antibiotikabehandlung die Einnahme ein geeignetes Probiotikums zu erwägen. Wählen dabei ein Produkt mit mehreren Stämmen und hoher Keimzahl, um verschiedene Ökosysteme in Deinem Darm zu unterstützen.

Im Vortrag hörte ich auch, dass es in den Niederlanden bereits Pflegeheime gibt, die in Kooperation mit Probtiotika-Firmen sich bereit erklärt haben, bei jedem Antibiotikum ein Probiotikum zu geben. Es ergab sich eine signifikante Reduktion von Durchfällen um ca. 55 %.

Grundsätzich haben Probtiotika in der Vermeidung von Nebenwirkungen also einen enormen Stellenwert, wenn sie frühzeitig eingenommen werden. Frau Prof. Stadlbauer-Köllner wies hier auf eine Metaanalyse hin, das sind Analysen, die mehrere Studien zusammenfassen…in diesem Fall waren es 7 Studien. Festzustellen war, dass durch die probiotische Prophylaxe ein zu einer wirklichen Erhöhung der Diversität, also des Artenreichtums der Mikroorganismen im Darm, kam. Dass eine große Diversität uns die bestmöglichste Gesundheit beschert, habe ich glaube ich mittlerweile ausreichend erzählt.

In dieser Folge habe ich mit Hilfe der Deutschen Mikrobiomtagen also von den kritischen Wechselwirkungen zwischen Antibiotika, unserem Mikrobiom und der Rolle von Probiotika berichtet.

Die Botschaft war klar: Ein bewusster Umgang mit Antibiotika und die Unterstützung Deines Mikrobioms durch Probiotika können einen großen Unterschied für Deine Gesundheit machen.

Wenn du mehr erfahren möchtest oder Fragen hast, zögere nicht, Dich an mich zu wenden. Auch bei reine bestehenden Dysbiose musst Du den Kopf nicht hängen lassen. Es gibt immer die Möglichkeit, auf Dein Mikrobiom Einfluss zu nehmen.

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Deine Gesundheit ist dein wertvollstes Gut. Achte auf die Signale deines Körpers und handle proaktiv, um deine Darmgesundheit zu schützen und zu fördern. Wie ich diesen Weg mit bereits vielen meiner KundInnen gegangen bin, berichte ich Dir beim nächsten Mal.

Sei gespannt…

Alles Liebe und bis zum nächsten Mal

Deine Linda